Diese 7 Schreibstil-Tipps machen deine Texte zu Leckerbissen (Expertenbeitrag)

Wie du deinen Schreibstil verbesserst (und Dry Aged Steak Content servierst)

Ein gutes Stück Content ist wie ein Dry Aged Steak: Der Inhalt könnte nicht besser sein. Es hat Substanz und es braucht seine Zeit, um zu reifen. Es ist der Real Deal. Kein verwässertes Fertiggericht aus dem „30%-Billiger“ Tiefkühlregal.

Ist Content-Marketing Teil deiner Vermarktungsstrategie?

Deine Kunden haben nur Augen für das verlockende Steak, das im gläsernen Kühlschrank am Haken hängt und effektvoll angestrahlt wird. Deine Blogartikel, Landingpages, E-Mail-Newsletter und Social-Media-Posts sollten verdammt lecker sein. Sonst bedienen sich die Leser anderswo.

Wie machst du Texte unwiderstehlich?

Dein Schreibstil entscheidet, ob Leser deinen Content weiterempfehlen oder genervt wegklicken.

Pure Inhalte lassen das Wasser nicht im Mund zusammenlaufen – egal, wie wertvoll oder nützlich sie sind.

Die Umsetzung muss schmecken. Oder steckst du dein Dry Aged Steak für 60 € lieblos in die Mikrowelle und hoffst auf den Geschmacksorgasmus?

Abgeschriebenen Fertig-Content liest kein Schwein.

Was heißt hier guter Schreibstil: Ist das nicht subjektiv?

Nein. Aufmerksamkeit bekommen Texte, die:

  • emotional mitreißen
  • relevante Stories erzählen
  • den Leser bei seinen Bedürfnissen packen
  • Probleme lösen

Das funktioniert nur unter einer Bedingung: Der Schreibstil muss fesseln. Dafür gibt es Methoden, die du dir aneignen kannst.

Ich spann dich nicht länger auf die Folter.

Du willst wissen, wie du besser schreibst.

Diese 7 Schreibstil-Tipps machen deine Texte zu Leckerbissen:

1. Schreibe mindestens 10 Überschriften

Die Headline ist das Zugpferd deines Texts.

Ist sie stark genug? Triggert sie den Lesereflex, oder juckt sie keinen?

Meine Erfahrung zeigt: Die erste Headline ist nie die beste. Also brainstorme was das Zeug hält.

Nach diesen Kriterien kannst du bewerten, welche Headline es bringt:

  • Zeigt sie einen konkreten Nutzen? Der Leser muss wissen, warum er seine Zeit in deinen Text investieren sollte
  • Macht sie neugierig?
  • Hat sie eine zentrale Botschaft – also nicht 2 oder 3 Messages?
  • Ist sie charmant, schlau oder ungewöhnlich (dank Metapher oder Vergleich)
  • Ist sie ehrlich – verspricht sie nur, was dein Text halten kann?
  • Ist sie leicht verständlich – oder muss man zu sehr um die Ecke denken?
  • Passt sie zum Bild? (Ein Meer zeigen und von Erfolg säen sprechen kommt nicht gut)
  • Hat sie Pi mal Daumen 6 Wörter?

2. Geh nie ohne Krimi ins Bett

Dein Content braucht vor allem eins: Spannung. Von der Headline bis zum letzten Wort. Prüfe jeden Satz auf das Kriterium: Zwingt er mich, den nächsten Satz zu lesen? Hält er den Leser wach?

Diese Stilmittel helfen dir beim Spannungsaufbau:

  • Erst ein knapper Satz. Der erzeugt sofort Tempo und macht das Weiterlesen leicht.
  • Benutze Cliffhanger, um Absätze miteinander zu verbinden („Wie ich das geschafft habe?“ „Aber es gibt eine viel wichtigere Frage.“)
  • Deshalb sind Doppelpunkte genial: Sie steigern die Dramatik ungemein. Ein Doppelpunkt heißt so viel wie „Jetzt kommt’s“.
  • Setze Halbsätze bewusst ein. Weil sie die Aufmerksamkeit hoch halten.
  • Schnelle Tempowechsel ziehen dem Leser den Boden unter den Füßen weg. Sei unberechenbar. Wechsle zwischen kurzen und längeren Sätzen ab. Weißt du, was ein-Wort-Absätze sind? FESSELND.

3. Mach’s richtig einfach

Leicht gesagt.

Dein Text muss leicht zu lesen sein, auch wenn der Inhalt komplex ist.

  • Lange Sätze mit vielen Kommas sind Dynamik-Killer. Checke, ob du aus einem Satz 2 oder mehr machen kannst.
  • Gibt es ein kürzeres Wort – oder kannst du es mit weniger Worten sagen?
  • Streiche wo du kannst. Achtung: Du musst nicht (gleich) alle Füllwörter ausmerzen – nur die überflüssigen. Wenn ein Füllwort deinen Satz menschlich macht, darf es drin bleiben.
  • Struktur macht Komplexes einfach: Gib einen Überblick. Führe einzelne Punkte aus. Fasse nach jedem die Ergebnisse zusammen. Und Fazit nicht vergessen.
  • Immer „der, die, das“ statt „welcher, welche, welches“.
  • Und ganz wichtig: Meide das Passiv wie der Veganer das Steak.

4. Besiege Blablub: Zieh gegen Floskeln, Werbesprache und abstrakte Begriffe ins Feld

Bevor du dagegen vorgehen kannst, musst du Blablub erkennen. Sonst kämpfst du gegen Windmühlen. Oder mit der Pistole gegen Fruchtfliegen.

Blablub, das sind:

  • Angeber-Superlative (das exquisiteste Leistungspaket)
  • Ausgelutschte Adjektiv-Substantiv-Kombos (kontinuierliche Weiterbildung, idealer Begleiter, kundenfreundlicher Service, traumhafter Urlaub)
  • Werbefloskeln wie „Rundum-sorglos-Paket“ und „Nur so lange der Vorrat reicht“
  • Unspezifische und abstrakte Wörter – alles, was kein Bild im Kopf zeichnet

So besiegst du Blablub:

  • Konkretisiere. Sag nicht „Hund“. Sag „schwarzgelockter Königspudel“
  • Nimm statt einer Floskel eine taufrische Metapher oder einen Vergleich. So kommst du auf Ideen: „Das ist wie …“ oder „als würde man …“

5. Hol den Reich Ranicki raus: Beäuge Adjektive kritisch

Die meisten Adjektive sind Ballast.

  • Mein Lieblingstipp: Lass das Adjektiv nur drin, wenn es dem Satz eine neue Bedeutung gibt.
  • Frag dich: Wie kann ich die Aussage mit einem Verb rüberbringen? Muss es sehr gut sein – oder kann es glänzen?
  • Verwende sinnliche Adjektive, die beschreiben, was man sehen, hören, fühlen und schmecken kann. Aber bringe sie in einen neuen Kontext.
  • Ein Text kann auch lecker sein 😉

6. Schreib als würde dir dein Leser gegenübersitzen.

Nicht so förmlich. Verabschiede dich von der Idee, dass du im Business korrekt sein musst. Mit Otto Normal PR-Texten kannst du gleich einpacken. Dein Leser will einbezogen werden. Es soll nicht so klingen wie ein geschriebener Text. Eher wie ein Podcast-Script.

  • Verwende Wörter, die du im Gespräch benutzen würdest – übersetz nicht alles in neutrale Schriftsprache.
  • Geh in den Dialog. Stell deinem Leser rhetorische Fragen. Hol ihn immer wieder ab, nicht nur beim Einstieg. Gib ihm das Gefühl, dass du ihn verstehst.
  • Sei du. Eigene Wortschöpfungen oder Lieblingsmetaphern können zum Markenzeichen werden.
  • Schluss mit Beamtengesülze: Streiche Wörter, die auf -ung und -ion enden. „Anlässlich“, „gemäß“ und „stets“ dürfen weg.
  • Keine Substantivierungen. Äh: Substantiviere Verben nicht.

7. Feile an deinem Meisterwerk

Dieser Text hat bis jetzt 922 Wörter. Zwischendurch waren es 4.000. Und ich schreibe seit 3 Tagen immer wieder daran herum.

Ist eine Info nicht wichtig? Weg damit. Ist die Einleitung zu lang? Neu schreiben. Passt die Struktur nicht? Once again, please.

Texten ist Arbeit. Die fängt nach dem ersten Entwurf erst an. Dein Text profitiert am meisten von der Überarbeitung. Ich rate dir (genau wie Benjamin Bruckner im Zielbar Magazin): Schreib deinen ersten Entwurf schnell hin. Und dann redigiere gnadenlos. So lange, bis dein Text auch dem Gourmet schmeckt. Deine Kunden wollen keine halbgaren Texte.

Sie lechzen nach gehaltvollem, perfekt abgehangenem und mit Liebe zubereitetem Content.

Und mein bester Tipp zum Schluss: Schreib jeden Tag. Nichts macht deinen Schreibstil besser.

Ist „Schreibstil verbessern“ für dich ein Thema? Schreib einen Kommentar.

Über die Autorin:

Daniela Rorig (Schreibcoach für Werbetext + Storytelling). Kämpft für Textkompetenz im Online-Marketing. Befähigt Unternehmen, mit Storytelling zu begeistern und magische Webtexte, Blogs und E-Mails zu schreiben. Ihre besten Schreibtipps bekommst du im gratis Texterkurs: In 7 Lektionen zum faszinierenden Schreibstil. Bloggt übers Texten auf www.textmatters.org.

Für Expertenbeiträge (deren Inhalte, Texte, Bilder und Verlinkungen) sind die Autoren selbst verantwortlich.

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Veröffentlicht von

//hubertbaumann.com/

Unternehmensentwicklung / Business Development - Autor (Buch, Print, Online) - Systemische Beratung / Coaching - Haibach / Aschaffenburg, Wien, Österreich.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Lieber Hubert,

    vielen Dank, schön, dass dir mein Artikel gefällt.

    Guter Punkt. Ich meine damit nicht, dass ich 3 Arbeitstage lang an einem Blogpost schreibe. Dafür hätte ich als Texterin genauso wenig Zeit wie du;). Mein Produktivitätstrick: Ich schaffe mir über mehrere Tage verteilt Zeitfenster für meine Artikel. So kann ich das Geschriebene sacken lassen – und genauso wichtig: Ich verschwende keine Zeit mit Rumhühnern, wenn ich mal nicht weiter komme.

    Ich empfehle dir dieses System.

    Tag 1 – Recherche und Grobstruktur. Wie viel du vorher lesen und später zitieren willst, hängt vom Thema und der Zielgruppe ab.

    Tag 2 – Erster Entwurf (ein blitzschneller – du solltest nicht länger als 1,5 Stunden für 1000 Wörter brauchen)

    Tag 3 – Headlines schreiben, feilen, redigieren.

    Produktiv sein ist auch Übungssache. Aber meiner Erfahrung nach brauchen die Profis mindestens genauso lang wie Gelegenheitsschreiber.

  2. Zunächst herzlichen Dank an Daniela Rorig für Deinen hervorragenden Beitrag.

    Darf ich gleich die 1. Frage stellen? Du schreibst im Text „Dieser Text hat bis jetzt 922 Wörter. Zwischendurch waren es 4.000. Und ich schreibe seit 3 Tagen immer wieder daran herum.“

    Das klingt nach sehr sehr viel Aufwand, selbst für eine versierte Texterin wie Dich. Für viele von uns ist das Erstellen von Texten ja nicht Hauptbeschäftigung. Es muss eher nebenher laufen. Ist es denn für einen Laien überhaupt möglich, in einem vertretbaren Zeitrahmen zu einem guten Text zu kommen? Vielleicht nicht perfekt, aber zumindest so gut, dass er von den Webseitenbesuchern gerne gelesen wird und sie nicht nach dem 1. Satz wegklicken?

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